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Das Gespräch verlief ganz entspannt, bis Silke diesen Satz sagte:

“Johannes, ich hab mich gefreut zu hören, dass du das Chinesisch lernen wieder aufgegeben hast. Das hat mir gezeigt, dass du auch nicht immer alles perfekt machst!”

Nun musst du wissen – Silke hört schon länger meinen Podcast. Im Gespräch kam heraus, dass ich ihr durch meinen Podcast den Eindruck vermittelt habe, bei mir läuft ganz viel gut. Fast als würde ich perfekt rüberkommen.

Deshalb fand Silke es ganz gut, dass ich in einer der letzten Episoden mein Versagen mit dem Chinesisch lernen erwähnte.

Ich. Perfekt?

Die Bemerkung hatte gesessen. Komme ich im Podcast wirklich so rüber? Falls ja, wie sieht es dann mit meiner Ehrlichkeit aus?

Darum gehts in diesem Artikel.

  • Ich erzähle von meinem Kampf mit Ehrlichkeit und warum auch ich lüge.
  • Es geht um eine Unterhaltung zwischen Gott und Napoleon; um einen Obdachlosen, einen Maskenball und eine geheimnisvolle Tür.
  • Und du liest, welche geniale Medizin mich momentan aus einer Sommerdepression holt.

Es wird dieses Mal emotional und persönlich. Ich werde die metaphorische Hose runterlassen und zuerst mal bekennen:

 

Ich habe dich gerade angelogen

Ja, es muss raus. Ich hab dich schon in den ersten Zeilen angelogen. Denn Silke heißt gar nicht Silke, sondern… Ne, das will ich ja nicht sagen. Du weißt schon – Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Es wäre nicht fair, sie einfach mit Namen zu erwähnen ohne gefragt zu haben. Deshalb der falsche Name.

Und schon sind wir im Thema. War das jetzt unehrlich? Und wann ist Unehrlichkeit gerechtfertigt? Wegen dieser Fragen habe ich mir extra das Buch von Ulrich Eggers aus dem Regal gezogen:

“Ehrlich glauben. Warum Christen so oft lügen.”

Ich wollte es irgendwann mal lesen, um meine Mitmenschen besser zu verstehen. Erst jetzt merke ich beim Lesen, dass Herr Eggers mich anscheinend persönlich kennt.

 

Was meine Tochter tat, sollten sich Erwachsene verkneifen

Unsere ältere Tochter war noch klein. Wir hatten eine Freundin zu Besuch. Sie war, sagen wir, in der Horizontalen ebenfalls recht lang. Als sie aufstand und zur Toilette wollte, sprang unsere Tochter begeistert auf: “Ich zeig dir, wo unsere Toilette ist. Aber ich weiß nicht, ob du durch die Tür passt.”

Ach ja, Kinder sind so herrlich ehrlich. Aber zaubert das auch noch ein verschmitztes Lächeln auf unsere Lippen, wenn wir als Erwachsene so gnadenlos ehrlich sind? Ich kenne einen Menschen, der fast jede Ansprache ähnlich beginnt: “Ich will ehrlich sein. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, heute zu euch zu sprechen.” Ehrlichkeit hat für ihn einen hohen Wert, und da ist er sehr treu. Aber was bewirkt diese Offenheit bei anderen?

Wie ehrlich sollten wir sein und was bringt es uns?

Ich hab noch ein weiteres Buch über Ehrlichkeit im Schrank. Phil Callaway schreibt in “Mal ganz ehrlich” auf unterhaltsame Weise, wie er ein Jahr lang versuchte, radikal ehrlich zu sein. Wow, was für eine Herausforderung. Nur mal ein kurzer Auszug:

Tag 55. “Kam zum Klassentreffen und stelle fest, dass einige meiner Mitschüler schrecklich alt geworden sind. Ein paar von den Jungs sind fast nicht mehr wiederzuerkennen und haben eine Vollglatze. Ich behielt die meiste Zeit meinen Hut auf, für den Fall, dass die Sonne rauskommt und mir in die Augen scheint.”

Ja, manche Anekdote hat einen starken Wiedererkennungswert. Ich zumindest erkenne mich da wieder. Immer versuchen, sich in das beste Licht zu rücken. Oder eben manche unschönen Elemente der Persönlichkeit nichts ins Licht kommen zu lassen. Ob mit aufgelassener Mütze oder der metaphorischen Hose, die bloß nicht rutschen darf.

 

DAS hat mir ganz schön Angst gemacht

Warum fällt es uns so schwer, wirklich ehrlich zu sein?

Ein Hauptgrund für manche Unehrlichkeit ist, so glaube ich, diese tiefe Angst. Sie steckt in uns allen und kann ganz schön lähmen. Es ist die Angst vor Ablehnung. Wir wollen dazu gehören, wir wollen akzeptiert sein. Als Mensch sind wir einfach nicht dazu geschaffen, losgelöst vom Rest der Welt zu existieren. Ich bin überzeugt, dass Gott uns Menschen als ein im Grunde gut aufeinander abgestimmtes Netzwerk erschaffen hat. Etwas Großes und Großartiges, das mit vielen Fäden miteinander verbunden ist. Gott hat den Menschen nicht als Einzelstück erfunden, sondern als ein großes Bild, das durch viele Puzzleteile ein Ganzes ergibt.

Aber diese Puzzleteile werden in der harten Realität des Lebens öfters brutal voneinander getrennt.

Und das tut weh.

 

 

Sobald wir als Kinder zum ersten Mal den Schmerz dieser Ablehnung gespürt haben, hat sich die Angst festgesetzt. “Nicht noch mal”, sagen wir uns. Denn es tut so weh. Manchmal ist es dieses “Tss, tss”, kombiniert mit einem traurigen Kopfschütteln der Eltern.

  • So fühlt man doch nicht.
  • Das sagt man doch nicht.
  • Tu doch so etwas nicht.

Manchmal schmerzt auch eine gut gemeinte Ermutigung. Da schütte ich meinem guten Freund das Herz aus und er sagt: “Hey, du musst keine Angst haben. Komm, hör auf zu heulen.” Er meint es gut, aber im Grunde sagt er: “Diese Gefühle und das Heulen ist inakzeptabel und sollte nicht sein.”

Viele gut gemeinte Ratschläge sind getarnte Ablehnungen.

Dies waren nur zwei Beispiele, die wir endlos weiterführen könnten. Wahrscheinlich hat es jeder schon erlebt, dass wir Ehrlichkeit mit Schmerzen bezahlt haben. Also lernen wir das Lügen. Lügen ist schmerzfreier. Wir werden schneller akzeptiert, Menschen freuen sich über uns, alle sind glücklich. Oder?

 

Machen Lügen das Leben wirklich leichter?

Ich denke an den Mann, der in der Psychiatrie behauptet, er wäre Napoleon. Ein anderer Patient fragt ihn, wie er denn darauf käme.

“Gott hat es mir gesagt”, meint Napoleon.

Daraufhin dreht sich ein dritter Patient um und ruft entrüstet:

“Stimmt doch gar nicht. Hab ich dir nie gesagt.”

Kenner der Psyche wissen, dass solche schizophrenen Symptome oft eine innere Flucht der Seele sind. Der Schmerz der Realität ist so groß, dass die Flucht in eine Unwirklichkeit die einzige Lösung ist. Als Napoleon oder als Gott lässt sich das Leben wieder aushalten.

  • Wenn wir so tun, als wären wir die Helden.
  • Wenn wir so tun, als bräuchten wir keine Hilfe.
  • Wenn wir so tun, als hätten wir alles im Griff.

 

Nun bin ich weder Napoleon noch Gott. Aber ehrlich – auch ich mache und anderen schon mal etwas vor. Manchmal ganz instinktiv. Natürlich würde ich es nicht Lügen nennen. Oft merke ich es ja noch nicht einmal. Und doch gehöre ich mit zum Club der frommen Lügner. Oder zum Club der traumhaft glücklichen Obdachlosen?

 

Die Geschichte von der Nacht in der Villa

Ja, ja – ich wiederhole mich. Die Geschichte kennst du vielleicht schon. Aber ich liebe sie einfach zu sehr, um sie nicht noch mal zu erzählen:

„Ein Obdachloser hatte sich auf einer Kaimauer direkt am Rhein hingelegt, um ein bisschen zu ruhen. Plötzlich weckte den Stadtstreicher eine sanfte Stimme, und als er aufsah, entstieg soeben eine schöne Brünette einem chauffierten Rolls-Royce.

“Sie armer Mann”, begann sie, “ist es Ihnen nicht schrecklich kalt? Darf ich Sie zu mir nach Hause fahren lassen, damit Sie für diese Nacht ein Dach über dem Kopf haben?”

Das ließ sich der junge Mann nicht zweimal sagen und setzte sich neben sie in die Limousine. Nach einer kurzen Fahrt hielt der Wagen vor einer großen viktorianischen Villa, die Brünette stieg aus und winkte ihm zu folgen. Ein Butler öffnete die Tür, und die Dame trug ihm auf, sich um den jungen Mann zu kümmern, ihm eine Mahlzeit vorzusetzen, ein Bad zu richten und ihm ein bequemes Bett im Bedienstetenflügel zu geben.

Eine kleine Weile später, als sie sich eben selbst zu Bett legen wollte, kam es der Brünetten in den Sinn, nachzufragen, ob ihrem Gast wohl noch etwas fehle, und so schlüpfte sie in ihr Negligé und eilte hinunter, in das Stockwerk der Dienerschaft. Als sie um die Ecke kam, verriet ihr ein Lichtschimmer, dass der junge Mann noch wach lag.

Sie klopfte vorsichtig an die Tür, und eintretend erkundigte sie sich, warum der junge Herr noch nicht schlafe.

“Sie haben vielleicht nicht genug gegessen?”

“Oh nein, ihr Butler hat mich königlich bewirtet.”

“Dann ist das Bett vielleicht nicht bequem genug?”

“Aber nein doch – es ist mehr als bequem.”

“Dann brauchst du wohl Gesellschaft. Rück ein bisschen, dann leg ich mich dazu.”

Der junge Mann, ganz selig vor Glück, rückte ein bisschen zur Seite und fiel … in den Rhein.“

Fazit der Geschichte: Wenn ich mir selbst etwas vormache und in einer Traumwelt lebe, dann kann mir das für eine Zeit lang vielleicht schöne Gefühle bescheren, aber langfristig wird dies immer ein R(h)einfall.

 

Wie meine Unehrlichkeit für dich zur Last werden kann

Spielen wir es einmal durch. Was passiert, wenn ich mir tatsächlich einrede, dass ich perfekter bin als die Realität es bezeugen könnte. Ich bin sozusagen ein unverbesserlicher Optimist, wenn es um die Einschätzung meiner eigenen Persönlichkeit und Lebenssituation geht. Das kann ja erst mal ganz nett sein.

“Der Johannes ist immer positiv gestimmt und so voller Dankbarkeit”, könnten andere dann denken. Sie sehen einen perfekteren Johannes als er in Wirklichkeit ist. Einen falschen Napoleon. Ja, vielleicht sogar eine kleine Gott-ähnliche Gestalt. Hört sich doch erst mal super an, oder? Wir sind doch schließlich im Abbild Gottes geschaffen. Ich soll doch schließlich als Christ sozusagen wie ein Mond funktionieren, der das Licht der Sonne reflektiert.

Schaue ich dann den Peter an, dann strahlt dem Peter das Licht vom angeblichen Original ins Gesicht. Was könnte das beim Peter bewirken? Er könnte depressiver werden. Denn wenn der Johannes es geschafft hat, so Gott-ähnlich durchs Leben zu springen, warum schafft Peter es dann nicht auch? Verwirrt und eingeschüchtert versucht Peter ebenfalls, sich zu verbessern. Er strengt sich an, hat auch hier und da mal einen Sieg zu verzeichnen. Tja, und wenn es nicht so klappt, dann redet er sich etwas anderes ein. Er fängt ebenfalls an, das Spiel mitzuspielen und die Maske etwas dicker aufzutragen. Er will schließlich nicht der einzige sein, der es nicht so toll schafft wie angeblich die anderen.

Tja, und so wird Peter dann zum Napoleon-ähnlichen oder gar göttlichen Vorbild für die Ulrike. Die ist auch erst mal ganz angetan von der Perfektion des Peters. Aber dann schleicht sich im Verlaufe des Vergleichens die Depression ein. Der Druck wird stärker. Und schon wieder haben wir ein Opfer für den Club der Lügner gewonnen. Kein Wunder, dass Ulrich Eggers zu diesem Dilemma gleich ein ganzes Buch geschrieben hat. (Übrigens sehr lesenswert).

Als Fazit stelle ich fest: Unehrlichkeit bezüglich meinen Fehlern und meiner wahren Situation tut anderen schon mal gar nicht gut. Es raubt ihnen die Entspannung und legt ihnen eine schwerere Last auf. Also ganz das Gegenteil von dem, was Jesus angeboten hat: Er will uns die Lasten erleichtern und uns leichte Aufgaben auf die Schultern legen, die wir locker tragen können.

 

Durch diese Tür musst du durch

Eines steht nun fest: Wenn ich ehrlicher bin, dann erleichtert dies dem anderen seine Last. Aber was ist jetzt mit mir?

Wird es für mich nicht viel anstrengender, wenn ich ehrlich zu meinem Versagen und meinen Tränen stehe?

Dieses dicke Fragezeichen hat schon viele Menschen davon abgehalten, durch die Tür zu gehen.

Stell dir vor, du bist auf einem Maskenball.

Es wird gefeiert und ist ganz nett. Aber auch ein bisschen langweilig.

Und dann ist dort diese Tür.

Du weißt nicht, wohin sie führt. Aber ab und zu geht jemand durch sie hindurch und kommt nicht wieder. Manche beobachten es und schütteln mit dem Kopf. Jemand neben dir warnt dich, bloß nicht die Schwelle zu übertreten.

Aber dann siegt bei dir die Neugier und du gehst durch diese Tür. Vielleicht war es auch die Langeweile, die dich dorthin geschubst hast.

Hinter der Tür geht eine alte Holztreppe nach unten. Es ist dunkel und muffig. Nervös steigst du die Stufen herunter und folgst einem unterirdischen Gang. Nach hundert Metern siehst du plötzlich etwas Licht. Du folgst diesem Licht und stehst plötzlich im Freien. Die Sonne scheint dir ins Gesicht. Dein Blick schweift über das herrlich blaue Meer und du hörst die Strandmusik. Sechs älter Herren tanzen am Strand. Andere laufen vergnügt durch die Dünen. Der frische Duft nach Freiheit, Glück und Feiern strömt durch deine Nase.

Und während zwei deiner besten Freunde strahlend auf dich zukommen denkst du nur: “Gut, dass ich durch diese Tür gegangen bin”.

Die Art von Ehrlichkeit, die ich in diesem Artikel meine, ist wie dieses Erlebnis. Angst will uns zwar davon abhalten, durch die Ehrlichkeits-Tür zu gehen. Aber dann nehmen wir den Mut zusammen und überschreiten die Schwelle. Wir schauen der Wahrheit ins Gesicht, und diese Wahrheit ist manchmal dunkel und muffig. Aber das Ergebnis ist am Ende oft besser als gedacht. Und mit Sicherheit besser als wenn wir uns weiterhin im Club der Wirklichkeitsverleugner auf dem Maskenball gelangweilt hätten.

So oft habe ich es selbst erlebt: Schüchtern und mit der Angst vor Ablehnung im Nacken habe ich mich einem Freund anvertraut und eine Schwäche zugegeben. Und wieder und wieder habe ich erlebt, wie ich mich anschließend befreiter fühlte.

  • Nicht immer.
  • Es bleibt ein Risiko.
  • Du kannst Gegenwind bekommen.
  • Menschen werden dich ablehnen.

Aber ist die Alternative wirklich, dass ich mich weiterhin auf dem großen Maskenball des Lebens langweile?

Deshalb will ich jetzt auch durch diese Tür gehen und auspacken, wie es mir momentan geht.

 

 

Meine mentalen Kampffelder

Im letzten Blogartikel ist es schon angeklungen – momentan beschäftigen mich ganz schön viele ungeklärte Fragen. Diese Fragen haben schon für so manche Träne gesorgt.

Beruflich stehen so einige Herausforderungen im Raum. Ich würde sie am liebsten nett bitten, zu gehen. Aber sie sind sturer als die Tante, die einfach nicht vom Kaffeetisch aufstehen will. Diese Herausforderungen kosten mich Kraft und Energie. In einigen Projekten fühle ich mich für die Ergebnisse verantwortlich. Und die Ergebnisse sind nicht das, was ich mir wünschte.

Tja, und dann verfalle ich diesem dummen Domino-Effekt.

Ich zweifle. Ich zweifle an mir. Ich zweifle an meinen Fähigkeiten.

Auch wenn der Chef mir öfters das Gegenteil versichert, so frag ich mich immer wieder, ob ich wirklich eine Hilfe bin. Dummerweise wollen die Dominos an dieser Stelle nicht stehen bleiben. Sie bringen auch den nächsten Stein zum Fallen – meinen Blog und Podcast.

  • Bin ich denn hier eine Hilfe?
  • Bin ich jemandem ein Segen?
  • Profitiert jemand von meinen Impulsen?

Mein Selbstbewusstsein hat sich momentan im Keller eingeschlossen, nachdem es groß an die Kellertür “Versager” geschrieben hat. Und ich sitze im Keller und fühle die Kälte. Gleichzeitig stehe ich vor der Kellertür und rede meinem Keller-Ich freundlich zu, dass es tausend Gründe gibt, wieder nach oben ans Licht zu kommen. Wir zwei sind noch am Verhandeln, während ich dies schreibe.

Ich hab’s meinem verschanzten Ich schon öfters erklärt, dass meine Identität und mein Wert doch wohl nicht von den äußerlichen Ergebnissen abhängt. Aber irgendwie will mein Keller-Ich momentan nicht auf mich hören.

Tja, und dann der dumme Domino-Effekt.

Denn mein Keller-Ich hat nicht nur das Selbstwertgefühl mit nach unten genommen, sondern auch meine Liebe zum gesunden Essen.

Deshalb könnte ich mein zweites mentales Kampffeld folgendermaßen auf den Punkt bringen:

 

Hallo, mein Name ist Johannes und ich bin zuckersüchtig!

Jawohl, Green Smoothies und viel Gemüse gehören noch zum Speiseplan. Vegetarisch ernähre ich mich ebenfalls.

Trotzdem bin ich rückfällig geworden.

Ich habe mich dem Zucker hingegeben.

  • Oh, diese herrlichen mit Schokolade überzogenen Mikadostäbchen.
  • Dieses verführerische Eis, das ich nicht essen sollte
  • Und dann die verschiedenen Haribo-Sorten.

Und jeden Abend sagte ich mir: “Morgen. Morgen hörst du auf.”

Ich fühlte mich wie ein Drogenabhängiger, der Angst vor dem Entzug hat.

Woche um Woche ging da so.

Mittlerweile habe ich den Entzug hinter mir und ich bin wieder im grünen Bereich. Puh, danke Gott.

Und ich bin um weitere Lektionen reicher:

Lektion 1. Wenn ich in einer Sache (z.B. gesunde Ernährung) lange Erfolg hatte bedeutet dies noch lange nicht, dass ich nicht mal richtige Durchhänger haben kann. Ob Gesundheit, Entspannung, Zeitmanagement oder meine Beziehung zu Gott – nie können wir sagen: “Ich habs geschafft.” Das macht demütig und vorsichtig.

Lektion 2: Mein Feind lebt immer noch. Dieser “Jetzt-ist’s-auch-egal.” Vielleicht kennst du ihn? Wenn ich in einem Bereich versage, dann will mir eine innere Stimme tatsächlich erzählen, dass ich mich jetzt auch in den anderen Bereichen gehen lassen kann. Und so komme ich in einen ganz gefährlichen Kreislauf.

Mental fühle ich mich elend.
Also tröste ich mich emotional mit Zucker.
Der Körper reagiert und wird schwächer.
Mental fühle ich mich noch mehr als Versager.
Da braucht man natürlich Trost am Kühlschrank.

Was für ein miserabler Kreislauf.

 

Wie komme ich aus diesem Kreislauf wieder raus?

Bleib bitte dran, denn ich habe mir versprochen, in jeden Blogartikel eine Portion Trost, Hoffnung und gute Nachricht zu packen.

Die erste gute Nachricht ist: Es lohnt sich, den ganzen Schmerz rauszuschreien!

Ich denke an den Helden und Krieger David aus der Bibel. Er ist einer meiner Vorbilder. Gleichzeit hatte er aber auch eine Menge Schwächen. Er hat versagt. Hat Leuten weh getan. Und hatte viele Feinde.

Nachts lag er öfters wach und machte sich Sorgen um den nächsten Arbeitstag. Er litt darunter, dass er sogar von seinen eigenen Brüdern gemobbt wurde. Sein Schwiegervater hatte mehrmals versucht, ihn zu töten. Oh ja, David hatte eine Menge Probleme. Und wie ist er damit umgegangen?

Er weinte laut! Schrie seinen Schmerz raus. Und machte Gott sogar Vorwürfe. Ja, David war radikal ehrlich. Über sein Versagen, seine Zweifel Gott gegenüber, und auch über seine Schulden.

“Erst wollte ich meine Schuld verheimlichen. Doch davon wurde ich so schwach und elend, dass ich nur noch stöhnen konnte.”

Das schreibt der bekannte Held in einem seiner Lieder. Also bringt David die Sache ans Licht, bekennt sie Gott und … beendet das gleiche Lied mit einem Jubelschrei.

Durch die Tür, den dunklen Kellergang entlang hin bis zum Licht.

Nun, es ist ja nicht immer gleich Schuld, die wir bekennen müssen. Manchmal sind es Gefühle, die uns das Leben schwer machen. Gefühle oder Zweifel, die wir uns nicht eingestehen wollen, weil sie peinlich oder demütigend sind. Wenn dem so ist, will ich dich ermutigen.

  • Sei ehrlich zu dir selbst.
  • Sei ehrlich Gott gegenüber.
  • Und auch ehrlich zu anderen Menschen.

Vielleicht bewirkt deine Ehrlichkeit ja, dass du bald schon am Strand spielst und lächelst. Oder sie beflügelt andere, ebenfalls ihre Maske abzunehmen.

Mir hat es auf jeden Fall sehr geholfen, in den letzten Monaten meine innere Not Gott zu erzählen. Ihm auch zu sagen, dass ich an ihm zweifle. Dass ich so vieles nicht verstehe. Und dass ich dringend wieder ein Signal brauche, dass er wirklich existiert.

Ja, und diese Signale werden momentan immer stärker.

Und das kam so.

 

Sag dir mal wieder etwas Verkautes.

Diese Werbung sah ich neulich auf einer Postkarte. Es ging um diese leckeren Kau-Streifen, die nach Maoam schmecken. Die Werbung bringt genau auf den Punkt was ich gerade tue, um so langsam wieder aus dem Deprimierungs-Kreislauf hinein in einen Hoffnungs-Strudel zu schwimmen.

Ich hab mir nämlich in den letzten Wochen ziemlich viel Verkautes gesagt.

Angefangen hat es damit, dass ich über eine Gesetzmäßigkeit gelesen habe. Eine Formel, die definitiv gute Ergebnisse bringt. Eine Medizin, die schon unzählig viele Menschen geheilt hat. Ein Weg, der zu echtem Glück und echter Erfüllung führt.

Diese Medizin heißt Meditation.

Jawohl, meditieren. Und zwar in dem Sinne, sich immer wieder einen wichtigen Satz zu sagen. (Bleib dran, denn diesen wichtigen Satz kannst du am Ende lesen.) Ihn durchzukauen. Verdauen. Wieder hochholen und wiederkäuen. Immer wieder dasselbe Verkaute sagen. Meditieren, wie es in der Bibel gemeint ist, heißt Murmeln. Wichtige Wahrheiten im Munde führen.

Die Medizin wirkt dann, wenn diese Wahrheiten vom Kopf ins Herz gelangt sind. Denn können diese wahren Sätze wie ein innerer ausbrechender Glücksvulkan wirken. Wie ein Kaugummi, das erst nach einigen Minuten intensiven Kauens seine außergewönlich gut schmeckende Wirkung freisetzt. Ein Phantasialand der inneren Gefühle.

Stell dir vor, du hast starke Schmerzen und brauchst eine Schmerztablette. Nimmst du jetzt die Tablette, die am besten schmeckt oder am schönsten aussieht oder nimmst du die passende Tablette, die auch wirkt? Klar – es kommt auf die Wirkung an.

Genauso auch bei Bibelversen. Wir können sie schon tausendmal gehört haben. Wir können meinen, sie zu kennen. Oder wir glauben gar nicht an die Wahrheit dieser Sätze und tun sie als frommes Geschwätz ab. Wir sind vielleicht gelangweilt von ihnen.

Aber all das zeigt nur, dass wir ihre Wirkung noch nicht kennen. Die Wahrheit dieser Sätze wird in uns etwas freisetzen. Wenn sie denn vom Kopf ins Herz durchgekaut sind.

Probiere es doch einfach mal aus.

  • Bei mir fange ich gerade an, die Wirkung zu spüren.
  • Sie wird langsam stärker.
  • Und ich werde weiter kauen.

Und je mehr ich kaue, desto stärker merke ich, wozu ich überhaupt auf diesem Planeten bin. Es geht im Grunde nur um eine wichtige Sache – um die Begegnung mit demjenigen, der sich die Freude, den Jubel, die Ektase ausgedacht hat. Derjenige, der ein Meister der wahren Schönheit und Faszination ist. Und derjenige, der uns sogar noch den Schmerz angenehm macht, indem sein Trost wie eine wohltuende Betäubung wirkt.

Deshalb zum Schluss auch der Satz. Oder sagen wir einer der Sätze, die ich momentan immer wieder kaue.

“Du zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo du bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält deine Hand ewig bereit.” Psalm 16, 11

Vielleicht ist es gerade jetzt für dich dran, dir solch einen Satz mal richtig durchzukauen. Immer und immer wieder.

Vielleicht ist es aber auch dran, erst mal deine Zweifel Gott an den Kopf zu werfen. Ehrlich vor ihm zu sein.

Vielleicht ist es aber auch Zeit, dich mal etwas ehrlicher vor deinen Mitmenschen zu outen. Die Maske fallen zu lassen.

Und vielleicht ist es auch die Mischung, die für dich gerade die richtige Medizin ist.

Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass du nach dem Schließen dieser Seite eines dieser Dinge umsetzt. Und dass du erlebst, wie Ehrlichkeit zu mehr innerer Entspannung führen kann.