Stürmische Zeiten können aus dem Nichts kommen und eine Menge Schaden anrichten.

Wie auch bei Michael Plant.

Der erfahrene Segler Michael Plant machte sich 1992 auf, um ganz alleine den Nordatlantik zwischen den USA und Frankreich per Boot zu überqueren.

Er besaß enorm viel Erfahrung, hatte das gesamte Fachwissen und die beste Ausrüstung. Das Boot war mit der besten Navigation und einen top Erste-Hilfe-Koffer ausgerüstet.

Nach elf Tagen brach der Funkkontakt zu Michael Plant ab. Mehrere Tage vergingen, aber man bekam kein Funksignal von seinem Boot. Über 830 km nordwestlich der Azoren wurde es schließlich gefunden.

Es trieb mit dem Kiel nach oben im Wasser.

Das war fast unmöglich. Denn diese Art von Segelbooten waren so gebaut, dass sie sich immer wieder von allein aufrichten. Der stärkste Sturm kann diesen Segelbooten eigentlich nichts anhaben. Besonders sein Boot galt als eines der sichersten der Welt.

Es hatte ein schweres Gewicht am Kiel, das schwerer sein musste, als das Boot selbst. Das Gewicht unter der Wasseroberfläche musste höher sein als das Gewicht über dem Wasser.

Bei seinem Boot bedeutete dies ein Gewicht von 3,5 Tonnen am Kiel.

Aber aus irgendeinem Grund war dieses Gewicht abgebrochen. Keiner weiß wie oder warum, aber es fehlte. Das Boot verlor seine Stabilität.

Die Folge: ein extrem fähiger und erfahrener Mann musste trotz bester Ausrüstung allein auf weiter See sterben.

Die Geschichte von Michael Plant ist nicht nur tragisch, sondern enthält auch wichtige Lektionen für dich und mich.

Denn auch wir befinden uns auf einer Reise, bei der es ganz schön turbulent zugehen kann. Wir sind einer Flut an Terminen und To-Do’s ausgesetzt. Wir müssen uns immer wieder durch stürmische Zeiten lotsen.

Stürme Zeiten kommen immer wieder. Die Frage ist, ob wir gewappnet sind. 

Auf unserer Reise sind wir in der Regel fleißig dabei, oben „an Deck“ für Ordnung zu sorgen und uns die Reise gleichzeitig so angenehm wir möglich zu machen. Und klar: Ankommen wollen wir schließlich auch.

Bei alldem ist es natürlich überlebens-wichtig, dass unser „Boot“ nicht untergeht sondern sich immer wieder aufrichtet. Wie diese Steh-auf-Männchen, die sich aus jeder Person immer wieder aufrecht hinstellen.

Damit dies geschieht, brauchen wir „unter der Oberfläche“ mehr Gewicht als über ihr. Damit wir stürmische Zeiten locker überstehen.

Und hier kommt nun die lebenswichtige Frage. Diese Frage habe ich mir während einer Auszeit gestellt und seitdem immer wieder. Diese Frage hat mich wieder ganz neu ausgerichtet und gibt mir gehörig viel Sicherheit, dass ich mich auch beim stärksten Sturm wieder aufrichte statt untergehe. Die Frage ist:

Woraus genau besteht mein schwerer Kiel und wie kann ich dafür sorgen, dass dieser Kiel auch in stürmischen Zeiten nicht abbricht?

Tu dir einen großen Gefallen und denke diese Frage konsequent durch. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass viele Burnouts verhindert und Probleme schneller behoben wären, wenn wir wieder an den richtigen Stellen „an Gewicht“ gewinnen.

Allein, wenn du dich immer mal kurz zurückziehst und über diese Frage nachdenkst, sorgst du schon dafür, dass dein „Kiel“ an Gewicht zunimmt und stärker haften bleibt.

Nachdenken, Reflektieren, Wahrheiten sacken lassen. Diese Aktionen sind fast vergessene Blaupausen, mit denen man stabile und starke Schiffe bauen kann.

Drei Tipps für stürmische Zeiten

Als Sprungbrett hier drei Materialien, die für meinen persönlichen Kiel wichtig sind. In diese Bereiche möchte ich investieren und immer wieder das Gewicht neu darauf verlagern.

Mein Charakter. Charakter ist das, was wir sind, auch wenn uns keiner beobachtet. Charakter geht tiefer als unser oberflächliches Verhalten, wenn wir mit Menschen zusammen sind. Charakter ist mein Profil, mit dem ich Spuren hinterlasse.

Deshalb mache ich mir regelmäßig bewusst: Es mag wichtig sein, was ich tue und habe. Aber weitaus wichtiger ist, zu welcher Persönlichkeit ich werde. Das bleibt haften.

Mit diesen Augen will ich die stürmische Zeiten angehen, Probleme zu meinem Coach machen und Gelegenheiten nutzen, um immer wieder in einen stärkeren Charakter zu investieren.

Klappt das immer? Natürlich nicht. Meine Güte, was bin ich weit entfernt von einer starken Persönlichkeit. Aber ich will in solch eine Persönlichkeit investieren, die wie ein Steh-Auf-Männchen immer wieder aufrecht steht.

„Sei mehr besorgt um deinen Charakter als um deinen Ruf, denn dein Charakter ist das was du wirklich bist, während dein Ruf nur das ist was andere denken dass du bist.“ John Wooden

Meine Werte. Die besten Schiffe bestehen auch aus den besten Materialien. Billiges Zeug zu verwenden, kann verheerend sein. Genauso ist es auch gefährlich, seine Zeit und Energie in Dinge zu stecken, die es eigentlich nicht wert sind.

Deshalb stelle ich mir immer wieder die Fragen:

Was ist für mich so wesentlich, dass ich darauf auf keinen Fall verzichten darf? Was gibt meinem Leben Qualität?

Und dann investiere ich in diese Bereiche. Ich stecke meine Zeit, Energie und mein Geld in diese Bereiche und sorge dafür, dass mein „Kiel“ an Qualität und Festigkeit gewinnt.

Mein Glaube. Der wichtigste und beste Kleber, der den Kiel am Boot festhält, ist mein Glaube – d.h. meine tiefsten innersten Überzeugungen. Das wertvollste Material am Kiel ist dabei derjenige, an den ich glaube.

Dieser Gott, wie er sich in der Bibel vorstellt, hat mich schon durch extremste stürmische Zeiten begleitet und dafür gesorgt, dass ich nicht untergehe. Er ist mein Kiel, der das Boot immer wieder in die Aufrechte gestellt hat. Viele Musiker im alten Israel hatten Gott ebenfalls zu ihrem Kiel gemacht. In einem Lied (Psalm 42) singen sie deshalb:

„Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott will ich hoffen, denn ich weiß: ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott, er wird mir beistehen!“

Wie wappnest du dich gegen stürmische Zeiten?

Das waren drei Materialien, aus denen mein Kiel besteht. Aber wichtig ist ja, dass du deine eigenen Materialien und den Kleber kennst, die dafür sorgen, dass du bei all dem stürmischen Stress nicht untergehst sondern stark, entspannt weiterreist und auch ankommst.

Deshalb mein Tipp: Nimm dir eine halbe Stunde Zeit für dich. Geh spazieren. Setz dich auf eine Bank. Such dir ein ruhiges Plätzchen. Und dann denk einfach mal dir Frage durch:

Woraus genau besteht mein Kiel und wie kann ich dafür sorgen, dass dieser Kiel nicht abbricht?